Berufsgenossenschaften und Heilmittelverordnungen auf einen Blick

Für die Behandlung von Arbeitsunfällen, Unfällen auf dem Weg zur oder von der Arbeit (sogenannten Wegeunfällen) und Berufskrankheiten übernehmen nicht die Krankenkassen die Kosten. Stattdessen tritt hier die gesetzliche Unfallversicherung - getragen von Unfallkassen und Berufsgenossenschaften (BG) - ein. Dafür bestehen eigene Vorschriften, die auch für die Abrechnung von Verordnungen gelten. Leistungserbringer wie Physiotherapeuten sollten diese also gut kennen. Hier lesen Sie, was wichtig ist!

Informationsstand dieses Beitrags ist Dezember 2018

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BG-Verordnungen: Das ist der gesetzliche Rahmen

Wer in Deutschland als Angestellter beschäftigt ist, hat für die Folgen von Arbeits- und Wegeunfällen sowie Berufskrankheiten Versicherungsschutz von der gesetzlichen Unfallversicherung. Zudem sind Schüler, Studierende, Arbeitssuchende, ehrenamtlich Tätige, auf geringfügiger Basis Beschäftigte sowie bestimmte Berufsgruppen von Selbständigen - darunter auch Physiotherapeuten und Logopäden - bei den Unfallkassen und Berufsgenossenschaften versichert. Welche Personengruppen außerdem dazu zählen, ist, ebenso wie die Vorgaben zur Versorgung, im Sozialgesetzbuch 7 festgeschrieben. Dort finden sich alle Einzelheiten im Hinblick auf BG-Verordnungen.

So geht‘s: BG- Verordnungen ausfüllen

Struktur der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland

Die gesetzliche Unfallversicherung gliedert sich folgendermaßen. Zunächst einmal sind verschiedene Berufsstände von den folgenden Berufsgenossenschaften versichert:

  • Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)
  • Berufsgenossenschaft Holz und Metall
  • Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)
  • Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe
  • Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft - BG BAU
  • Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik
  • Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG)
  • Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr)
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)

Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Kinder in Tageseinrichtungen, Schüler, Studenten, Arbeitssuchende, bestimmte ehrenamtlich Tätige, Helfer in Unglücksfällen, Blutspender und einige weitere Personengruppen sind von Unfallkassen und Gemeindeunfallversicherungsverbänden versichert, die als kommunale Versicherungsträger auf Ebene der Bundesländer organisiert sind. Zudem gibt es die überregional zuständige Unfallversicherung Bund und Bahn in der beispielsweise Beschäftigte der Bundesverwaltung oder der DB AG versichert sind oder auch Personen aufgrund besonderer Vereinbarungen.

Alle gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand werden vertreten vom Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). In der Landwirtschaft Beschäftigte haben Versicherungsschutz durch die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Welche BG ist im Zweifelsfall zuständig?

Hinsichtlich der Zuständigkeit bei nicht ganz trennscharf einer Branche zuzuordnenden Unternehmen besteht die folgende Vorgabe: „Weist ein Unternehmen Bestandteile aus mehreren Branchen auf, die verschiedenen Berufsgenossenschaften angehören, ist die Branchenzugehörigkeit des Unternehmensschwerpunktes maßgeblich“, so die DGUV auf ihrer Homepage. Wichtig ist auch, dass die Versicherten im Gegensatz zur Krankenversicherung den Versicherer nicht selbst wählen.

Sie finden sich im Dickicht der Kostenträger schwer zurecht? Macht nichts. Wir unterstützen Sie rund um das Thema Abrechnung mit Berufsgenossenschaften, Unfallversicherungen und Krankenkassen. Ob Sie Physiotherapeut, Ergotherapeut oder Logopäde sind – wir haben passgenaue Lösungen für Sie.

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Unterschied zwischen BG-Verordnungen und GKV-Verordnungen

BG-Verordnungen unterscheiden sich von denen, die mit gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Wo genau liegen die Unterschiede? Zunächst einmal müssen Ärzte, die BG-Verordnungen ausstellen - meist Durchgangsärzte - über eine entsprechende Zulassung verfügen. Bei Verordnungen zulasten von Berufsgenossenschaften oder Unfallversicherungen sind Ärzte im Gegensatz zur Verordnung für GKV-Versicherte nicht an die Heilmittel-Richtline gebunden und den Heilmittel-Katalog. Es werden spezifische Formblätter für die Verordnung verwendet: für Physiotherapie Formtext F 2400; für Ergotherapie F 2402.

Für Logopädie existiert derzeit kein Rahmenvertrag mit diesen Kostenträgern; deshalb auch kein spezifisches Verordnungsformular.

Auch gilt bei BG-verordnungen nicht die bei GKV-Verordnungen vorgegebene Regelbehandlungszeit. Stattdessen werden Zeitintervalle verordnet. Darüber hinaus sind die Patienten von der Zuzahlungspflicht befreit.. Mit der Behandlung muss spätestens innerhalb einer Woche nach Ausstellung der Verordnung begonnen werden.

Voraussetzung für die Abrechnung von BG-Rezepten

Grundlegend für das Abrechnen von BG-Rezepten ist für Leistungserbringer wie Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, die entsprechenden Rahmenvereinbarungen anzuerkennen und zu erfüllen. Diese legen beispielsweise die Einzelheiten zur Zulassung, Behandlung und zu Haftungsfragen fest. So sind Physiotherapeuten und Ergotherapeuten für die Behandlung Unfallverletzter und Berufserkrankter zugelassen, wenn sie zum einen die Zulassungsvoraussetzungen der GKV-Spitzenverbände gemäß § 124 Abs. 4 SGB V erfüllen. Zum anderen müssen sie selbst bzw. einer der Praxis-Mitarbeiter (festangestellt oder dauerhaft als Selbständiger im Team) über nachweislich mindestens 2 Jahre Berufspraxis in unselbständiger Tätigkeit verfügen, von denen er mindestens 6 Monate „in für die Behandlung Unfallverletzter und Berufserkrankter relevanten klinischen Fachbereichen der Chirurgie, Orthopädie oder Neurologie abgeleistet“ hat oder aber in einer Praxis erfolgte, „die in dieser Zeit für die Behandlung von UV-Patienten zugelassen war und der Betreffende“ währenddessen „mindestens 20 Unfallverletzungen behandelt hat“. Zudem darf diese berufliche Tätigkeit nicht länger als 8 Jahre unterbrochen worden sein.

Zu den Rahmenvereinbarungen zählen Leistungs- und Gebührenverzeichnisse, in denen die Details zu den abrechenbaren Heilmitteln und deren Menge geregelt sind. Also beispielsweise die Leistung selbst, die Behandlungszeit und die Vergütung pro Zeitintervall. Für Logopäden orientiert sich mangels eigenem Rahmenvertrag die Vergütung an den Vereinbarungen der Ersatzkassen.

Nimmt ein Leistungserbringer eine DGUV-Verordnung an und beginnt er die Behandlung, bestätigt er, die Zulassungsvoraussetzungen zu erfüllen.

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